Seit 20 Jahren begleitet SKIPSY Kinder, deren Eltern psychisch erkrankt sind. Am 23. Oktober 2026 feierte das Präventionsangebot der AWO im Bürgersaal des Singener Rathauses sein Jubiläum. Im Mittelpunkt standen die Erfahrungen der Kinder und Familien sowie die Ausstellung „Von zwei Seiten gesehen“. Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit dem Förderverein Sozialpsychiatrie nordwestlicher Landkreis Konstanz ausgerichtet und stand unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Bernd Häusler.
Wie notwendig ein solches Angebot ist, machte die frühere Projektleiterin Maria Müller in ihrem Rückblick deutlich. Kinder berichteten ihr damals von Scham, von Verantwortung für jüngere Geschwister und von der Verunsicherung, wenn ein Elternteil ins Krankenhaus gebracht wurde, ohne dass ihnen jemand erklärte, warum. Daraus entstand die Idee, einen geschützten Ort zu schaffen: einen Ort, an dem Kinder psychische Erkrankungen verstehen lernen, über ihre Sorgen sprechen und unbeschwerte Zeit erleben können.
Gemeinsam mit Dr. Hanna Bauer und Werner Neidig brachte Maria Müller das Projekt auf den Weg. Der Förderverein unterstützte den Aufbau und die Spendengewinnung, die AWO gab SKIPSY ein organisatorisches Dach. 2006 begann die Arbeit mit einer Gruppe von sieben Kindern und einer Anschubfinanzierung von 4.000 Euro. Das Känguru als Symbol wählten die Kinder selbst: Es war für sie stark und mutig, konnte Schutz geben und zugleich selbstständig sein.
Aus diesen Anfängen ist ein vielfältiges Unterstützungsangebot gewachsen. Die heutige Projektleiterin Claudia Mühlhoff-Mast stellte die aktuelle Arbeit vor: fünf Gruppen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, zwei Eltern-Kind-Treffs und eine Elterngruppe. Hinzu kommen Eltern- und Familienberatung, gemeinsame Projekte und regelmäßige Waldaktivitäten. Neu sind ambulante sozialpädagogische Hilfen, mit denen Familien individuell und bedarfsorientiert begleitet werden. Seit der Gründung nahmen 435 Kinder an den Gruppenangeboten teil; allein 2025 fanden 485 Beratungsgespräche statt.
Was diese Arbeit für die Familien bedeutet, wurde durch ihre eigenen Worte besonders anschaulich. Eine Rückmeldung aus der Jubiläumspräsentation lautete: „Mir hat immer gut getan, dass es auch andere Kinder gibt, die Elternteile haben, die auch erkrankt sind und dass wir alle gemeinsam gelernt haben, dass wir nicht schuld sind.“ Eltern beschrieben SKIPSY als einen Ort, an dem sie mit ihren Sorgen auf Verständnis stoßen und gemeinsam nach Lösungen suchen können.
Auch die Jubiläumsausstellung gab diesen Erfahrungen Raum. Gemeinsam mit der Künstlerin und Kunsttherapeutin Petra Ehinger hatten Kinder in Bildern dargestellt, was ihnen an guten und schlechten Tagen durch den Kopf geht. Jugendliche gestalteten Masken zu unterschiedlichen Gefühlen. Fotografien zeigten außerdem „Gefühlsgesichter“, die Kinder im Wald aus Ton an Bäumen geformt hatten. Die Fotografin Laura Holzmann ergänzte mit ihrer Serie „2Faces – 2 Gesichter einer Depression“ die Perspektive psychisch erkrankter Erwachsener. Ihre Doppelbelichtungen machen widersprüchliche Gefühlszustände und den Gegensatz zwischen innerem Erleben und äußerer Fassade sichtbar.
AWO-Geschäftsführerin Regina Brütsch führte durch die Veranstaltung. Grußworte kamen von Oberbürgermeister Bernd Häusler, dem Sozialdezernenten des Landkreises Konstanz Stefan Basel und Hubertus Both-Pföst vom Förderverein Sozialpsychiatrie. Begleitet wurde die Veranstaltung von mehreren Gesangsbeiträgen des Jugendpopchors der Musikschule Radolfzell unter der Leitung von Sabine Burger.
Das Jubiläum war zugleich Gelegenheit, Danke zu sagen: den Familien für ihr Vertrauen, den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden für ihren Einsatz sowie allen, die SKIPSY finanziell, praktisch und ideell unterstützen. Ehrenamtliche holen Kinder ab, begleiten Gruppen und Waldangebote, geben Nachhilfe oder übernehmen Patenschaften. Dieses gemeinsame Engagement hat die Entwicklung über zwei Jahrzehnte ermöglicht. Maria Müller brachte es in ihrem Rückblick auf den Punkt: „SKIPSY ist eigentlich unser aller Projekt.“
Auf dem Foto v.l.n.r.: Petra Ehinger, Claudia Mühlhoff-Mast, Maria Müller, Werner Neidig, Regina Brütsch, Laura Holzmann, Stefan Basel, Bernd Häusler